Blutsauger.

Jeder kennt sie: Diese fiesen kleinen Biester, die unseren Hunden und Katzen das Leben schwer machen. Aber auch uns Men­schen zapfen sie gerne an: Zecken.

Dürfen wir vorstellen.

Sobald es draußen etwas wärmer wird, geht die Zecken­sai­son los. In Deutsch­land kommen vor allem fol­gen­de Zecken vor:

gemei­ner Holz­bock
(Ixodes ricinus)

 

Auwald­ze­cke
(Der­ma­cen­tor reti­cu­la­tus)

 

braune Hun­de­ze­cke
(Rhip­i­ce­pha­lus san­gui­neus)

 

Der Biss der Zecke ist in der Regel harmlos, da sich der Blut­ver­lust in Grenzen hält. Jedoch können durch den Biss auch Erreger gefähr­li­cher Krank­hei­ten über­tra­gen werden.

Krankheitserreger.

Am häu­figs­ten werden fol­gen­de Krank­heits­er­re­ger über­tra­gen:

Anaplasmose:

(Ana­plas­ma pha­go­cy­to­p­hilum)

  • Ver­ur­sacht hohes Fieber, Schläf­rig­keit, Appe­tit­lo­sig­keit, Durch­fall, Erbre­chen und Gelenks­ent­zün­dun­gen.

Babesiose:

(V.a. Babesia canis)

  • Ver­ur­sacht sehr hohes Fieber, Blut­ar­mut, Mat­tig­keit, Appe­tit­lo­sig­keit, Leber- und Nie­ren­schä­den.

Borreliose:

(Bor­re­lia burg­dor­fe­ri, B. afzelii, B. garinii)

  • Ver­ur­sacht Fieber, Appe­tit­lo­sig­keit, Apathie, Lahm­heit, im spä­te­ren Stadium Herz- und Nie­ren­schä­den, oft auch sym­ptom­los.

Ehrlichiose:

(Ehr­li­chia canis)

  • Ver­ur­sacht Mat­tig­keit, Leis­tungs­schwä­che, Blu­tun­gen, hohes Fieber.

Schutzmaßnahmen.

Es gibt mehrere Mög­lich­kei­ten, Hund und Katze vor den kleinen Blut­saugern und den damit ver­bun­de­nen Krank­hei­ten zu schüt­zen:

Regelmäßig absuchen und Zecken entfernen

Krank­heits­er­re­ger werden nicht sofort über­tra­gen. Je nach Erreger ist die Zeit­span­ne unter­schied­lich lange (mehrere Stunden). Je schnel­ler die Zecke wieder ent­fernt wird, umso gerin­ger das Risiko.

Zecken ent­fer­nen:
Im Handel sind ver­schie­de­ne Geräte zur Ent­fer­nung von Zecken ver­füg­bar. Am häu­figs­ten werden Zangen/Pinzetten, Karten oder Haken ver­wen­det.

Dabei gilt: Die Zecke mög­lichst nah an der Haut fassen und her­aus­zie­hen bzw. her­aus­dre­hen. Beim Drehen ist die Rich­tung übri­gens egal. Auf keinen Fall sollte die Zecke mit Öl oder Kleb­stoff beträu­felt werden. Dadurch erstickt die Zecke und „erbricht“ sich quasi, was die Über­tra­gung von Krank­hei­ten erhöht!

Was wenn Teile des Kopfes oder der Stech­werk­zeu­ge in der Haut bleiben?
Nor­ma­ler­wei­se bildet sich eine kleine Ent­zün­dung. Der Körper reagiert auf den Fremd­kör­per und ver­sucht diesen los­zu­wer­den. Dies ist in der Regel harmlos. Bitte beob­ach­ten Sie die betref­fen­de Stelle genau. Bei anhal­ten­der Schwel­lung oder wenn die Schwel­lung stark zunimmt, sollten Sie einen Tier­arzt auf­su­chen. 

Spot-Ons

Bei Spot-Ons handelt es sich um Flüs­sig­kei­ten, welche dem Tier auf die Haut auf­ge­tra­gen werden und in die oberste Haut­schicht bzw. Talg­schicht ein­zie­hen. Je nach Prä­pa­rat werden die Zecken davon abge­hal­ten, über­haupt auf das Tier zu gehen (sog. Repel­len­ti­en), oder die Zecke stirbt, sobald sie den Wirt sticht.

WARNUNG: Prä­pa­ra­te für Hunde können für Katzen lebens­ge­fähr­lich sein! Katzen fehlt ein bestimm­tes Enzym, was zu schwer­wie­gen­den und oft töd­li­chen Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen führen kann.

Halsbänder

Hals­bän­der geben den Wirk­stoff über einen län­ge­ren Zeit­raum ab (zwi­schen 5 und 8 Monaten). Die Wirkung ähnelt den Spot-Ons: Der Wirk­stoff zieht in die Haut­schich­ten ein und ver­teilt sich auf dem Tier.

Für Katzen ist ein Hals­band erhält­lich, welches als ein­zi­ges Prä­pa­rat eine repel­lie­ren­de (abhal­ten­de) Wirkung hat.
Die Wirk­dau­er beträgt 7–8 Monate.

Tabletten

Seit einiger Zeit gibt es Tablet­ten, welche bis zu 12 Wochen wirken. Hierbei ist aber zu beach­ten, dass die Zecken stechen müssen, um mit dem Wirk­stoff in Kontakt zu kommen. Daher ver­hin­dern diese Tablet­ten den Zecken­be­fall nicht! Es wird nur eine Über­tra­gung von Krank­hei­ten ver­hin­dert.

Natürliche Präparate

Der Markt hält ver­schie­de­ne Prä­pa­ra­te bereit, welche Zecken auf natür­li­che Weise ver­trei­ben sollen. Am häu­figs­ten wird Kokosöl ver­wen­det. Die in Kokosöl ent­hal­te­ne Laurin­säu­re hält Zecken vom Wirt fern. Das Tier muss dafür täglich mit Kokosöl ein­ge­rie­ben werden. Andere Prä­pa­ra­te auf Basis von Hefe und B-Vit­ami­nen sollen den Stoff­wech­sel beein­flus­sen und die Tiere dadurch weniger attrak­tiv für Zecken (und andere Para­si­ten) machen. Auch sind Tropfen auf pflanz­li­cher Basis erhält­lich.

WICHTIG: Die Wirkung ist von Tier zu Tier ver­schie­den. Beim einen funk­tio­niert es super, beim anderen gar nicht. Hier muss man einfach testen, ob diese natür­li­chen Mittel etwas für das eigene Tier sind. Aber sie können eine gute Alter­na­ti­ve bzw. Ergän­zung zu her­kömm­li­chen Prä­pa­ra­ten sein.

Knoblauch

Oft wird emp­foh­len, Hunden und Katzen Knob­lauch zu füttern, um Zecken abzu­hal­ten.

WARNUNG: Da Knob­lauch aber ab einer gewis­sen Dosis giftig ist, emp­feh­len wir die Zufüt­te­rung von Knob­lauch NICHT!

Keramikhalsbänder, Bernsteinhalsbänder, Metallplaketten

Diese „Acce­soi­res“ sieht man auch oft an v.a. Hunden und sollen zuver­läs­sig gegen alle Arten von Para­si­ten helfen. Die Wirk­wei­se beruht dabei auf einer angeb­li­chen „Ladung“ welche die Para­si­ten davon abhal­ten soll, das Tier auf­zu­su­chen.

Wir halten ehrlich gesagt, nicht viel davon, da die Erklä­run­gen der Her­stel­ler doch oft sehr aben­teu­er­lich klingen. Daher können wir es als Pro­phy­la­xe-Maß­nah­men gegen Zecken nicht emp­feh­len.

Wenn der Hund ein dem­entspre­chen­des Hals­band trägt und keine Zecken hat, soll es uns auch recht sein.

Impfungen

Für Hunde gibt es Impf­stof­fe gegen Bor­re­lio­se. Diese Impf­stof­fe bieten einen Schutz gegen eine bis drei Bor­re­lio­se-Arten (abhän­gig vom Impf­stoff).

Aller­dings gibt es keinen Schutz gegen andere Bor­re­lio­se-Arten oder andere durch Zecken über­trag­ba­ren Krank­hei­ten. Daher muss trotz Impfung eine Zecken­pro­phy­la­xe erfol­gen. Natür­lich schüt­zen Imp­fun­gen auch nicht vor einem Zecken­biss. Daher stellen die Imp­fun­gen nur einen Teil der Zecken­pro­phy­la­xe dar.

Medikamentenübersicht
zum Schutz vor Zecken

Medi­ka­mentHer­stel­lerAnwen­dungWirk­sam­keit lt. Her­stel­lerrepel­lie­ren­de Wirkung*für Hundefür Katzen
Activyl TickVirbacSpot-On3–5 Wochenjajanein
Advan­tixBayerSpot-On3–4 Wochenjajanein
AmfleeTADSpot-On3–4 Wochen²neinjaja
Broad­li­neMerialSpot-On3–4 Wochenneinneinja
Cer­ti­fectMerialSpot-Onbis 5 Wochenneinjanein
EffiproVirbacSpot-Onbis 4 Wochen²neinjaja
EffitixVirbacSpot-Onbis 4 Wochenjajanein
Eli­mi­nallZoetisSpot-On3–4 Wochen²neinjaja
ExspotInter­vetSpot-Onbis 4 Wochenjajanein
Fipro­catIDTSpot-Onbis 1 Wocheneinneinja
Fipro­dogIDTSpot-On3–4 Wochenneinjanein
Fipro­spotCevaSpot-On3–4 Wochen²neinjaja
FleticIDTSpot-Onbis 3 Wochenjajanein
FlevoxVeto­qui­nolSpot-On3–4 Wochen²neinjaja
FrontecMerialSpot-Onbis 4 Wochenneinjanein
Front­li­neMerialSpot-Onbis 4 Wochen²neinjaja
Prac-TicNovar­tisSpot-Onbis 4 Wochenneinjanein
Pre­ven­ticVirbacSpot-Onbis 3 Wochenjajanein
Strec­tisCevaSpot-Onbis 5 Wochenneinneinja
Vectra 3DCevaSpot-On3–4 Wochenjajanein
Bra­vec­toInter­vetTablet­tebis 12 Wochenneinjanein
NexgardMerialTablet­tebis 4 Wochenneinjanein
Sim­pa­ri­caZoetisTablet­tebis 5 Wochenneinjanein
KiltixBayerHals­bandbis 7 Monatejajanein
Sca­li­borInter­vetHals­band5–6 Monatejajanein
SerestoBayerHals­bandbis 8 Monate jajaja
* repellierende Wirkung: Zecken werden davon abgehalten, das Tier aufzusuchen.
² bei Katzen kürzere Wirkdauer (1–4 Wochen, je nach Präparat)

WICHTIGER HINWEIS: Diese Daten beruhen auf den Angaben der jewei­li­gen Her­stel­ler. Der Autor über­nimmt keine Haftung für die Rich­tig­keit dieser Angaben. Die jewei­li­gen Angaben des Her­stel­lers sind zu beach­ten. Die Mar­ken­na­men sind jeweils Eigen­tum der jewei­li­gen Her­stel­ler­fir­men. Stand: 05/2016

Das DR .TIER-Fazit:

Zecken­schutz ist kein Luxus, sondern kann unter Umstän­den auch Leben retten. Dazu kommt, dass Zecken nicht nur für unsere Haus­tie­re eine Gefahr dar­stel­len, sondern auch für uns Men­schen. Und wer kennt das nicht: Die Zecke „fährt“ auf dem Hunde- oder Kat­zen­ta­xi mit und macht sich im Bett oder auf der Couch breit und kann dann auch für den Men­schen gefähr­lich werden. 

Schüt­zen Sie Ihren Lieb­ling und sich selbst! Wie Sie gesehen haben, gibt es viele Mög­lich­kei­ten.
Wir beraten Sie gerne, welches Prä­pa­rat am besten zu Ihnen und Ihrem Tier passt. 

Wir wün­schen Ihnen und Ihrem Tier eine sor­gen­freie Zecken-Zeit.

Noch Fragen?

Dann schrei­ben Sie uns oder rufen Sie uns an.

Herz­lichst, Ihr

DR.TIER
Dr. med. vet. Stefan Kuscha
Höhen­kir­chen. München.